Whanganui River
WHANGANUI
Die Maori sagen: „Ko au te awa, ko te awa ko au – Ich bin
der Fluss, der Fluss ist ich." Für sie ist der Whanganui
River heilig, er verkörpert ihre Ahnen. Sie sehen sich
verantwortlich für das Wohlergehen ihres Flusses als
Lebensraum und all seiner Zuflüsse von der Quelle bis
zur Mündung.
In der globalen Bewegung für die Rechte der Natur
haben die indigenen Stammesvölker Neusee-
lands die Rolle der Wegbereiter. In Europa
folgte 2022 die Lagune Mar Menor in Süd-
spanien als erstes Ökosystem, dem der Status
einer juristischen Person zugesprochen
und 2024 vom Verfassungsgericht
bestätigt wurde.
LOISACH
Inzwischen ist im Grenzgebiet von Bayern
und Tirol eine interdisziplinäre, interkulturelle
Initiative entstanden, die für 2026 den Besuch
einer Maori-Delegation im Loisachtal und in Spanien
vorbereitet. Die indigenen Botschafter*innen aus Neu-
seeland wollen mit Flussanwohner*innen in Bayern
und Spanien Beziehungen aufbauen, aus denen ein
ständig wachsendes Geflecht von Verbindungen
zwischen Flüssen und Flussbewohner*innen ent-
stehen kann. Die Rückgewinnung einer verlorenen
Beziehung zur Mitwelt wird im Zentrum der
Gespräche stehen. Die Begegnungen werden
künstlerischer, spiritueller und juristischer
Natur sein.
LAGUNE MAR MENOR
2022 erhielt die Lagune Mar Menor in
Andalusien als erstes Ökosystem in Europa
den Status einer juristischen Person.
Massives Fischsterben, ausgelöst von jahre-
langer Verschmutzung durch intensive
Landwirtschaft, Bergbau und Massen-
tourismus, hatte dort zu einer starken
Bürgerbewegung geführt. Aus einem
Volksbegehren ging schließlich
das neue Gesetz hervor.
TERMINE UND AKTIVITÄTEN
3. bis 6. September 2026
Europäische Gewässer kommen in Berlin zusammen
Vom 3. bis 6. September 2026 findet in Berlin die vierte „Confluence of European Water Bodies" statt. Die Veranstaltung bringt Flüsse, Seen, Lagunen, Gletscher, Meere und Feuchtgebiete aus ganz Europa zusammen, die Anwärter für die Rechte der Natur sind.
Im Mittelpunkt der Confluence stehen Fragen nach unserer Beziehung zu Wasser, nach Verantwortung gegenüber aquatischen Ökosystemen und danach, welche kulturellen Formen der Fürsorge für Gewässer entstehen können, wenn wir sie als lebendige Wesen mit eigenem Wert und eigener Handlungsmacht anerkennen.
Näheres unter:
water-bodies.eu ↗
12. bis 18. September 2026
Dialog der Gewässer / Dialogue of Water Bodies
Das Loisachbündnis lädt im September 2026 Botschafter:innen aus Aotearoa Neuseeland und Spanien nach Tirol und Bayern zu einer einwöchigen wandernden Konferenz ein. Vertreter:innen der Maori vom Whanganui River und der Lagune Mar Menor werden sich mit Flussanrainer:innen und Fachleuten im Loisachtal zum Austausch treffen und Einblicke in ihre Erfahrungen mit den Rechten der Natur geben.
Der Whanganui River in Aotearoa Neuseeland erhielt 2017 als erstes Gewässer der Welt den Status einer Rechtsperson. Māori, die entlang des Flusses wohnen und ihn als Ahnen begreifen, sagen: „Ko au te awa, ko te awa ko au – Ich bin der Fluss, der Fluss ist ich". In Europa folgte 2022 die Salzwasserlagune Mar Menor in Spanien. Inzwischen gibt es weltweit etwa 700 Initiativen für die Rechte der Natur.
Die Vergabe von Rechten liegt in den Händen jeder Gesellschaft. Konzerne wurden per Gesetz zu juristischen Personen ernannt, um ihnen Klagerecht zu geben. Warum nicht die Natur?
Das Konzept der Eigenrechte der Natur ermöglicht einen Paradigmenwechsel im Umgang mit der Mitwelt, der in Zeiten von Klimakatastrophe, Biodiversitätsverlust und Extraktivismus unabdingbar ist.
Was für uns heute revolutionär klingt, ist woanders schon lange selbstverständlich: In vielen indigenen Rechts- und Weltverständnissen werden Menschen, Tiere, Pflanzen, Gewässer und Landschaften als miteinander verbunden verstanden. Die Lakota im Inneren Nordamerikas sagen: Metake Oyasin – wir sind alle verwandt. Die schwimmenden, die fliegenden, die vierbeinigen, die wurzelnden – und wir zweibeinige Wesen.
Im Rahmen dieses Besuches finden neben internen Fachgesprächen und Führungen einige öffentliche Veranstaltungen statt, zu denen das Loisachbündnis herzlich einlädt:
14. September 2026, 19 Uhr
Empfang durch den Bürgermeister Christian Scheuerer
anschließend geselliges Zusammensein im Gasthof zur Post
15. September 2026, 19:00 Uhr – Kloster Benediktbeuern, Don Bosco Saal
Das Loisachbündnis lädt ein zu einem Dialog der Gewässer
Performance: Ruth Geiersberger
Begrüßung: Claus Biegert und Stefanie Zoche
Thematische Einführung: Matthias Kramm und Tina Rametsteiner
Vorträge: Keria Ponga und Jade Mills (Whanganui River), Eduardo Salazar (Lagune Mar Menor)
Lena Oberdorfer und Greta Lukasser (Isel), Markus Schaerli (Reuss)
Musik: Liam O'Maonlai und das Duo HafnerBurgmayr
Eintritt frei
16. September 2026, 19:00 Uhr – Biergarten der Kreut Alm in Großweil
Das Loisachbündnis lädt ein zu einem geselligen Zusammensein
Mit Hüter:innen von Whanganui River, Aotearoa Neuseeland und Laguna Mar Menor, Spanien
Es singen und spielen: Ohlstadter Musikanten, Out of Oberland und die Schwuhplattler
Eintritt frei / Spenden erbeten
17. September 2026, 19:00 Uhr – Bayerische Akademie der Schönen Künste
Dialogue of Water Bodies / Dialog der Gewässer
Whanganui River, Mar Menor und Loisach sprechen über die Rechte der Natur
Max-Josephplatz 3, 80075 München
Lesung: Gert Heidenreich
Begrüßung: Andreas Kühne und Barbara Schellhammer
Thematische Einführung: Klaus Bosselmann und Tina Rametsteiner
Vorträge: Keria Ponga und Jade Mills (Whanganui River), Eduardo Salazar (Lagune Mar Menor)
Moderation: Claus Biegert und Stefanie Zoche
Musik: Evi Keglmaier (Bratsche) und Sebi Tramontana (Posaune)
In Kooperation mit: Zentrum für Globale Fragen, Hochschule für Philosophie München; Rachel Carson Center, LMU München
badsk.de ↗
Eintritt frei
Das Platzangebot für die Veranstaltung ist begrenzt. Daher werden eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn am Haupteingang der Residenz Platzkarten vergeben.