BÜNDNIS DER FLÜSSE
Ein Weg zur Anerkennung der Rechte der Natur
Zwei Flüsse möchten sich verbinden: Die Loisach in Tirol und Bayern und der
Whanganui River in Neuseeland. Die Idee zu dieser Allianz entstand im
Austausch zwischen Gerrard Albert, Klaus Bosselmann und Claus Biegert.
Gerrard Albert ist Angehöriger der Whanganui Maori Iwi (der Stämme
entlang des Whanganui River) und Sprecher von Te Awa Tupua, jener
Organisation, die 2017 erreicht hat, dass ihr Fluss den Status einer
juristischen Person erhielt.
Klaus Bosselmann ist emeritierter Professor für Umweltrecht an der
University of Auckland in Neuseeland und gehörte zu den Juristen,
die die Maori in ihrem langen Kampf beraten haben.
Claus Biegert ist Autor, Radiojournalist und
Dokumentarfilmer und lebt unweit der Loisach.
MITWELT
Dieser symbolische Akt einer Flussallianz
entspringt einer Bewegung, die derzeit
um die Welt geht und sich Raum und Gehör
verschafft wie Wasser, das sich seinen Weg
sucht. Es ist die Bewegung für die Rechte der
Natur. Eine Bewegung des neuen Denkens. Umwelt
ist ein Begriff des alten Denkens. Wir müssen die
Welt um uns endlich als Mitwelt erkennen und wert-
schätzen. Unserer Mitwelt sollen jene juristischen
Rechte zugesprochen werden, die wir auch
unseren Mitmenschen geben. Menschen-
rechte können nicht ohne die Rechte
der Natur bestehen.
RECHTE DER NATUR
Die Bewegung zu den Rechten der
Natur hat ihren Ursprung in den frühen siebziger
Jahren, als der Rechtsprofessor Christopher Stone in
Los Angeles die Frage stellte: „Should Trees Have
Standing?“ Stone verwies auf den Status von
Firmen, die erst zu juristischen Personen
erklärt werden mussten, um vor Gericht
von Anwält* innen vertreten zu werden.
Warum, so Stone, kann ein Berg nicht zu einer
juristischen Person erklärt werden? Was revolutionär
neu klingt, ist uralt: In den Weltanschauungen indigener
Völker ist diese Wertschätzung als grundlegendes
Element verankert.